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Die Zeit der Gründung |
Vor dem 1. Weltkrieg |
Nach dem Krieg |
Die Stadtgründung |
1980 - heute
Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Harksheide
von Otto Kröger, Chronist der Gemeinde Harksheide (verst.),
fortgesetzt von den Schriftführern Willy Bornkast (verst.) und Jens Tauschwitz
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Harksheide war im Jahre 1894, dem Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr, eine preußische Landgemeinde mit ca. 500 Einwohnern.
Aus der Gründerzeit und aus der Zeit vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Harksheide berichtet Otto Kröger (t) in der Chronik der Gemeinde Harksheide.
In früheren Zeiten gab es in den Landgemeinden unseres Landes kein örtlich organisiertes Feuerlöschwesen. Jeder Kätner und Bauer musste Feuerlöschgeräte (Leiter, Patsche, Haken und Ledereimer) besitzen und bei amtlich festgesetzten Brandschauen vorweisen können. Auch der Zustand der Dächer und Schornsteine - soweit letztere vorhanden waren - wurde überprüft. Im ältesten Harksheider Gemeindeprotokoll ist 1869 von einer Stroh- und Rethdächerschau die Rede. In Regierungs- und Kirchspielsverfügungen wurde auf die Feuerverhütung hingewiesen. Man beschäftigte sich in diesen Anweisungen mit dem offenen Feuer auf dem deutschen Herd, mit dem Licht aus Kerzen und Funzeln und nicht zuletzt mit der Glut aus der Tabakspfeife. Die Eingesessenen wurden zur Mitarbeit bezüglich Brandverhütung und -bekämpfung aufgerufen und herangezogen. Es war Pflicht jedes einzelnen, in Feuersnöten Beistand zu leisten. Im Jahre 1882 - so meldet das Gemeindeprotokoll weiter - wurden die Bauern Peter Dieckmann, Johann Behrmann und Claus Hagen zu Brandaufsehern ernannt. Ein Jahrzehnt später wurde gemäß behördlicher Anweisung eine örtliche Zwangsfeuerwehr eingerichtet. In der Schulchronik der Verbandsschule lesen wir dazu, dass für die Landgemeinde Harksheide im Sommer 1891 eine Zwangsfeuerwehr errichtet, eine Spritze angeschafft und ein Spritzenhaus erbaut wurde. In der Dorfsversammlung vom 30. 3. 1891 - eine Gemeindevertretung gab es damals noch nicht - beschloss man, teils einstimmig, folgendes:
1. Anschaffung einer Feuerlöschspritze mit Zubehör zum Preise von 700 Mark.
2. Die entstehenden Kosten in Höhe von 1200 Mark sollen im Wege der Anleihe (bei der Spar- und Leihkasse
des Gutsbezirkes Tangstedt) gedeckt werden. Rückzahlung in fünf Jahren. Mehrkosten sollen sofort
durch die Gemeinde aufgebracht werden.
3. Mit neun gegen acht Stimmen wurde beschlossen, die Kosten für das Feuerlöschwesen nach den Sätzen
für die Gebäude-Brandversicherung umzulegen.
4. Sämtliche Spritzen- und Steigermannschaften sollen Helme und Kittel (oder Blusen) erhalten.
Die Höhe der Aufwendungen für unsere erste Feuerwehr wird deutlich, wenn man die Summen des damaligen Gemeindehaushaltes zum Vergleich heranzieht. Auf der Sitzung der Gemeindevertretung vom 5. April 1895 berichtete der Bauernvogt Kabel, dass der Voranschlag der Gemeinde Harksheide in Einnahme und Ausgabe mit 2393,27 Mark festgestellt worden ist.
Die Zwangsfeuerwehr wurde 1894 in die Freiwillige Feuerwehr Harksheide umgewandelt. Der damals 34jährige Bauer Hinrich Grotherr war der erste Wehrführer dieser Feuerwehr. Neben dem Hauptmann Grotherr waren der Landwirt Hinrich Eschenhorst, der Tischler Hinrich Thies an der Gründung der Wehr beteiligt. Jüngstes Mitglied war der 20jährige Landwirt Ludwig Eggers.
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Grossen Idealismus brachten diese Männer in den ersten Jahren der Freiwilligen Feuerwehr auf. Uniformen gab es noch nicht. Lediglich durch eine Armbinde waren die Männer der Feuerwehr äußerlich gekennzeichnet. "De Harksheider weern arm un harn keen Geld für diese Ort Soken."
Auskunft über die damaligen Sitten und Gebräuche der Feuerwehr gibt uns das Gründungsstatut vom 16. September 1894. Hier wurde als Zwecks des Vereins postuliert:
"Die Freiwillige Feuerwehr ist ein Verein gesunder und kräftiger Männer, welche die Ehrenpflicht übernehmen, sich durch regelmäßige Übungen bei militärischer Disziplin die Gewandheit, den Mut und die Ruhe anzueignen, welche nöthig sind, um bei Feuersgefahr möglichst rasch und in zweckmäßiger Weise Hülfe leisten zu können." Aufgenommen werden kann jeder männliche Einwohner, der unbescholten, gesund und kräftig und mindestens 20 Jahre alt ist. Ein Austritt aus der Wehr kann nach frühestens zwei Dienstjahren erfolgen.
Zu den Übungsdiensten werden die Mitglieder durch den sog. "Vereinsboten" benachrichtigt, Nichterscheinen zieht strenge Strafen nach sich. So ist als Strafe für zu spätes Erscheinen bei einer Übung 10 Pfg. festgesetzt, für das Fehlen beim Übungsdienst werden 50 Pfg. fällig. Fehlen beim Feuer schlägt bereits mit einer Mark zu Buche.
Und zu dem heute noch weit verbreiteten Vorurteil "Die Feuerwehr trinkt gerne einen": Bereits 1894 wird Trunkenheit im Dienst mit drei Mark Strafe belegt ! Wenn man dagegenhält, dass ein sehr guter Geselle zu dieser Zeit 18 Pfg. die Stunde verdient, bekommt man eine Vorstellung von der Härte dieser Strafen.
Das Kassenbuch der Wehr weist für das Gründungsjahr 1894 Einnahmen aus solchen Strafgeldern in Höhe von sieben Mark 60 Pfennig aus.
Vereinslokal war zunächst die Gaststätte des Bauern Hinrich Wulff in der Tangstedter Landstrasse (heute steht an dieser Stelle die Behindertenheimat an der Harckesheyde). Diese Gaststätte besteht schon seit Jahren nicht mehr, vielleicht leben noch einige Harksheider, die sich daran erinnern, wenn bi Wulff op de Groot-Deel Danz weer. Bauer Wulff war seinerzeit auch Bürgermeister von Harksheide. Die ersten Übungen der Wehr wurden auch hier beim Vereinslokal abgehalten.
Als Gerät stand der ersten Feuerwehr eine einfache Kübelspritze, die mit der Hand gezogen werden musste, zur Verfügung. Feuerlöschbrunnen und ähnliche Dinge gab es natürlich auch noch nicht. Das Wasser wurde aus Moorlöchern und sonstigen offenen Wasserstellen durch Wasserfahrer herangefahren. Die Wasserfahrer wurden im Wege des Hand- und Spanndienstes zu dieser Hilfeleistung verpflichtet. Wenn Not am Mann war, hebt se ok mol 'n Jauchekuhl utpumpt. Der erste Einsatz der neu gegründeten Feuerwehr ist leider nicht bekannt. Nach vierjähriger Tätigkeit trat Hauptmann Grotherr seinen Posten an den Bauern Hinrich Albrecht ab.
Ganz reichte die damalige Mitgliederstärke für die Freiwillige Feuerwehr nicht aus, so dass nebenbei noch einige Zwangsverpflichtete Dienst machen mussten. Das Kassenbuch der Wehr weist ein Eintrittsgeld von je einer Mark für 23 Mitglieder auf.
Im Jahre 1897/98 war unsere Wehr wie folgt ausgerüstet: Vierrädrige Saug- und Druckspritze mit Wasserkasten, 45 m Druckschläuche mit Normalgewinde, 2 Ansatzleitern, 4 Strohdach-Steigerleitern, 4 Patschen, 4 Haltehaken, 2 Signalhörner und 6 Nebelhörner. Geräte und Ausrüstungsgegenstände waren Eigentum der Gemeinde. Die Wasserverhältnisse wurden als nicht ausreichend bezeichnet.
Zahl der Mitglieder der damaligen Wehr (1897/98): 2 Führer, 6 Steiger, 8 Spritzenleute und 2 Hornisten, zusammen 18 Mann
Zahl der passiven Mitglieder 1896/97: 7.
Einnahmen 1896/97: 256,05 Mark, Ausgaben 109,90 Mark.
Im Berichtsjahr 1897/98 brannten in der Gemeinde drei Gebäude ab. Durch das Eingreifen der Wehr konnte dabei ein Wohnhaus gerettet werden.
In den folgenden Jahren war eine stetige Entwicklung der Wehr, die wohl letzten Endes eng mit der Entwicklung der Gemeinde zusammenhängt, spürbar. 1904 wurde die Freiwillige Feuerwehr erstmalig voll uniformiert. Stolz auf ihre zweireihigen Uniformröcke und den Pickelhelm stellen sich die Wehrmänner erstmalig dem Photographen.
Im Jahre 1905 konnte die Wehr die Anschaffung einer Handdruckspritze für Pferdebespannung verzeichnen. Viel Messing war an der Spritze, und mit viel Mühe und Emsigkeit hat der damalige Geräte- und Spritzenmeister Heinrich Wöbke diese Spritze gepflegt und geputzt. Augenzeugen wissen zu berichten, dass man sich in dieser Spritze jederzeit spiegeln konnte und die Spritze stets einsatzbereit war. Ebenfalls im Jahre 1905 erhielt die Feuerwehr auch ihr Spritzenhaus. Einige Einwohner unserer Gemeinde werden sich an dieses Spritzenhaus noch heute erinnern, das seinen Standort zwischen der jetzigen Bäckerei Möller und der Siedlung Harkseichen hatte und erst in Jahren nach dem letzten Kriege abgebrochen wurde.
Sogar ein Schlauchturm zum Trocknen der Schläuche stand zur Verfügung. Nach jedem Einsatz mussten die Schläuche gespült, abgebürstet und anschließend zum Trocknen aufgehängt werden (eine ganz praktische Einrichtung ist doch jetzt die Kreisschlauchpflegerei). Viele Brände waren in der damaligen Zeit zu bekämpfen: hier brannte ein Strohdiemen, dort die Scheune, auch das ganze Gehöft stand oft in Flammen. Moor- und Heidebrände hielten die Männer der Wehr tage- und nächtelang im Einsatz.
Nicht nur in der eigenen Gemeinde wurde Lösch- und Hilfsdienst geleistet, auch in der damaligen Zeit kannte man schon das selbstverständliche Gesetz der Nachbarschaftshilfe. Stellen Sie sich vor: alle diese Wege bis Ulzburg, Kisdorf, Tangstedt, Wilstedt usw. wurden von den Feuerwehrleuten vielfach zu Fuß zurückgelegt. Die Spritze wurde durch ein Pferdefuhrwerk gezogen. Der Landwirt, der Zeit und Gelegenheit hatte, musste ein Gespann zur Verfügung stellen. Die Pferde kannten das Feuerhorn schon so genau, dass sie von der Koppel angelaufen kamen, wenn das erste Signal ertönte.
Das Spritzenhaus diente im übrigen, wie viele ländliche Spritzenhäuser in dieser Zeit, auch dazu, vom Landgendarmen arretierte Spitzbuben sicher zu verwahren. Probleme gab es nur, wenn die Feuerwehr nicht wusste, dass der Gendarm das Spritzenhaus für diesen Zweck benutzte. So kam der spätere Harksheider Wehrführer Julius Quast als junger Feuerwehrmann in Not, als er bei einem nächtlichen Alarm das Spritzenhaus aufschloss und jemand ganz überraschend "Danke" zu ihm sagte und sich seitwärts in die Büsche schlug.
Während des Ersten Weltkrieges wurden viele junge Feuerwehrmänner eingezogen und der Betrieb der Feuerwehr kam nahezu zum Erliegen, insbesondere nachdem der langjährige Hauptmann Hinrich Albrecht im Jahre 1917 verstorben war. Erst auf der Generalversammlung am 9. März 1919 wurde mit dem Bauern Willy Grotherr ein neuer Hauptmann gewählt.
Bei der Dreißigjahrfeier der Feuerwehr Harksheide am 21. September 1924 wurde in drei Lokalen, bei Wulff, Eggers und im Parkhof getanzt. Auch damals waren die Freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Gemeinden bis nach Kisdorf, Henstedt, Hummelsbüttel und Poppenbüttel, ja sogar Duvenstedt und Bramstedt zur Feier eingeladen.
Seinerzeit leistete sich die Harksheider Feuerwehr auch eine eigene Feuerwehrkapelle. Nachdem es wegen der Leistungen dieser Kapelle bei einem Ball im Winter 1923 erheblichen Ärger in der Wehr gab, wurde ein Musiklehrer aus Hamburg verpflichtet. Da die Wehr nicht über hinreichende Instrumente verfügte, stellte dieser Musiklehrer die Instrumente, erst einmal leihweise zur Verfügung. Die Beschaffung eigener Instrumente stellte die Harksheider Wehr vor erhebliche Probleme. Die durch die Inflation geleerte Kasse gab derartige Beträge nicht her und der Versuch, das notwendige Geld von der Gemeinde bzw. der Provinzial-Feuerversicherung zu erhalten, scheiterte. Schließlich nahm man eine Anleihe von 100 Goldmark bei den Mitgliedern der Wehr auf. Bereits im März 1924 verzeichnet das Protokollbuch, dass die Kapelle anlässlich des Geburtstages des alten Steigerführers H. Thies ein zu allgemeiner Zufriedenheit ausfallendes Ständchen gab.
Im Jahre 1928 war es dann soweit, dass eine 800-LiterMotorspritze angeschafft wurde. 2800 RM musste die Gemeinde seinerzeit für diese Spritze bezahlen. Die Spritze war auf einen hartgummibereiften Anhänger montiert, so dass sie von einem Motorfahrzeug gezogen werden konnte. Die vorhandene Handdruckspritze, die in all den Jahren von dem Geräte- und Spritzmeister Heinrich Wöbke so gut gepflegt wurde, konnte damals noch für 100 RM nach Mühlenbarbek verkauft werden.
Im Jahre 1937 wurde der Hauptmann Willy Grotherr durch den Landwirt Hinrich Harms abgelöst.
1938 modernisierte sich die Harksheider Feuerwehr ganz enorm. Sie erhielt eine 800-Liter-Motorspritze von der Firma Meyer, Hagen, für 3400 RM und baute sich einen alten Wagen zu einem Mannschaftswagen um. Zum Einsatz kam dieses Fahrzeug zum ersten Mal bei einem Scheunenbrand in Ulzburg. Eine harte Zeit folgte nun für die Männer der Freiwilligen Feuerwehr in den nachfolgenden Kriegsjahren. 1940 wurde der Wehrführer Hinrich Harms eingezogen. Bis zu seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft führte der Löschmeister Gustav Harder die Wehr. Am 18. Januar 1941 erfolgte der erste Grosseinsatz während des Krieges. 18 Stunden lang waren Männer und Gerät trotz Kälte und Eis in der Nachbargemeinde Garstedt eingesetzt, als das Gehöft des Bauern Robert Harder abbrannte. In den nachfolgenden Jahren wurden die Einsätze immer häufiger. Ein Teil der Männer wurde Soldat. Notdienstverpflichtete mussten herangezogen werden. Bei Fliegeralarm sammelten sich die Männer in der Schule Nord und bei Macke. Sowie der Alarm vorbei war, die Heimatgemeinde nicht betroffen und ein Feuerschein aus Richtung Hamburg erkennbar war, rückte die Wehr aus, um sich bei der Hauptfeuerwache in Hamburg-Fuhlsbüttel um Einsatz zu stellen. Manche Fahrten hat der inzwischen verschrottete Feuerwehrwagen in dieser Zeit mitmachen müssen. Sogar in einer Baumkrone landete das Fahrzeug auf einer Fahrt in Richtung Hamburg. Ein umgestürzter Baum hatte die Strasse versperrt und war in der Dunkelheit natürlich nicht zu erkennen. Eine allgemeine Aufregung entstand unter den Männern, die auf dem offenen Mannschaftswagen saßen, als ihnen plötzlich Zweige um die Ohren schlugen. Trotzdem hat dieses Fahrzeug die Kriegszeit überstanden und hat auch in den ersten Jahren nach dem Krieg der Wehr noch gute Dienste geleistet.
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