Die Zeit der Gründung   |    Vor dem 1. Weltkrieg   |    Nach dem Krieg   |    Die Stadtgründung   |    1980 - heute


Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Harksheide

2. Teil

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg galt es praktisch die Wehr neu aufzubauen und insbesondere auszurüsten. Geräte und Ausrüstung hatten während der Kriegsjahre schwer gelitten. Als dann 1947 die im Jahre 1938 gekauft 800-1-Spritze (TS 8) an die Herstellerfirma zur Generalüberholung geschickt werden musste, setzte für die Freiwillige Feuerwehr Harksheide eine schwere Zeit ein, denn sie stand mit leeren Händen vor dem Feuer. Bei Bedarf wurde dann die Spritze aus Glashütte ausgeliehen, allerdings musste der knappe Treibstoff selbst besorgt werden. Der spätere Harksheider Wehrführer Günther Sager wusste aus dieser Zeit sehr plastisch zu berichten, wie er als junger Feuerwehrmann erst einmal den Bürgermeister aus dem Bett holen musste, um die Bewilligung für Treibstoff zu erhalten.

Erst nach der Währungsreform 1948 wurde die Spritze zurückgeliefert. Im Jahre 1948 kehrte der Wehrführer und spätere Kreisbrandmeister Hinrich Harms aus der Kriegsgefangenschaft zurück und übernahm wieder die Leitung der Wehr. Von nun an begann - wie allgemein im Nachkriegsdeutschland - auch ein Aufbau für die Freiwilligen Feuerwehren. Schon bald nach der Währungsreform begann die damalige Gemeinde Harksheide mit den Vorbereitungen für den Bau des ersten Feuerwehr-Gerätehauses, welches 1951 seiner Bestimmung übergeben wurde. Das Gerätehaus hatte Platz für zwei Fahrzeuge und außerdem vier Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Schon damals haben die im Feuerwehrgerätehaus wohnenden Kameraden abwechselnd eine so genannte Bereitschaft übernommen, um sicherzustellen, dass während der Sonntage und vor allen Dingen auch während der Nachtstunden sofort mindestens ein Fahrer zur Verfügung stand. Diese Bereitschaft ist erst in den neunziger Jahren langsam aufgelöst worden, weil die Wohnungen im Feuerwehrhaus nach und nach in Büroräume umgewandelt wurden und die Technik eine schnelle Alarmierung von Fahrern erlaubte.

Das Vorkriegsfahrzeug musste außer Dienst gestellt werden. Die Gemeinde Harksheide erwarb dafür für die Freiwillige Feuerwehr ein neues Fahrzeug, ein so genanntes Löschfahrzeug 8 mit Vorbaupumpe und einer einzuschiebenden Tragkraftspritze. Dazu wurde von der Bundesbahn ein gebrauchtes Fahrzeug mit einer 1600-1-Pumpe angekauft. Der damaligen Zeit entsprechend war das eine ausgezeichnete Ausrüstung.


Groß war die Freude in der Freiwilligen Feuerwehr, als 1958 ein Tanklöschfahrzeug angeschafft werden konnte. Am Morgen nach der Ankunft des Fahrzeuges wurde es gleich bei einem Ladenbrand am Alten Kirchenweg eingesetzt. In der Führung der Harksheider Wehr war inzwischen ein Wechsel eingetreten. Der langjährige Wehrführer Hinrich Harms wurde zum Kreiswehrführer des Kreises Stormarn gewählt. Nachfolger wurde der langjährige Schrift- und Kassenwart Heinrich Sager.

1964 anlässlich des 70jährigen Jubiläums der Harksheider Wehr wurde erstmalig ein Kreisfeuerwehr-Verbandstag in Harksheide durchgeführt. Das Feuerwehrgerätehaus am Deckerberg war inzwischen um zwei weitere Fahrzeugstände erweitert worden, nachdem die Gemeinde Harksheide zu dem Tanklöschfahrzeug auch noch ein weiteres Löschfahrzeug mit einer 1600-1-Pumpe für den Brandschutz beschafft hatte. Trotz der Bemühungen aller Wehrmitglieder, ihren Ehrentag würdig zu gestalten, konnte man eines nicht beeinflussen, das war das Wetter. Als der Festumzug beginnen sollte, goss es in Strömen, so dass der Festumzug im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel. Selbst das Geschenk der Gemeinde Harksheide zum 70jährigen Geburtstag ihrer Wehr - eine Fahne - konnte für diesen Reinfall nicht entschädigen.

Mit diesem Kreisfeuerwehr-Verbandstag wurde auch das erste Sommerfest der Harksheider Wehr gefeiert, ein Fest, welches über mehr als 20 Jahre hinweg ein großes gesellschaftliches Ereignis in Harksheide sein sollte.

Neben ihrer eigentlichen Aufgabe Brandschutz hat sich die Wehr Harksheide rechtzeitig um ihren Nachwuchs bemüht. Verbunden mit dem Kreisfeuerwehr-Verbandstag 1964 wurde ein Aufruf zur Gründung einer Jugendfeuerwehr erlassen. Am 18. September 1965 war es dann soweit, im Harksheider Rathaus fand die Gründungsversammlung der Harksheider Jugendfeuerwehr statt. Zum ersten Jugendwart wurde der spätere Wehrführer Werner Kopitzke bestellt.

Wie erfolgreich die Jugendarbeit der Harksheider Wehr war, mag man daran erkennen, dass mehr als 50% der heute aktiven Mitglieder über die Jugendfeuerwehr zum Feuerwehrdienst gekommen sind.

Inzwischen wurde die Harksheider Jugendfeuerwehr in eine Norderstedter Jugendfeuerwehr umgewandelt, um Nachwuchs für alle Norderstedter Ortswehren heranzuziehen.

1965 wird mit den Vorbereitungen zum Bau des neuen Feuerwehrhauses begonnen. Heinrich Sager bleibt Wehrführer der Harksheider Wehr bis zu seinem 65. Lebensjahr im Jahre 1967. Nach seinem Ausscheiden wird er einstimmig zum Ehrenwehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Harksheide gewählt. Die Wehrführung bleibt jedoch in der Familie Sager. Nachfolger für den aus Altersgründen ausgeschiedenen Heinrich Sager wird sein Sohn Günther Sager. Dieser bleibt bis zur Gründung der Stadt Norderstedt Harksheider Wehrführer und wird dann zum Gemeindewehrführer für die Stadt Norderstedt gewählt. 1968 werden die notwendigen Haushaltsmittel für den Bau des neuen Feuerwehrhauses nach Plänen des Harksheider Architekten Dieter Gerlach bereitgestellt.


Die Harksheider Wehrmänner unternehmen einen zweiten Anlauf für einen Kreisfeuerwehr-Verbandstag und erhalten dann 1969 noch einmal die Zustimmung des Kreisfeuerwehr-Verbandes Stormarn, einen Kreisfeuerwehr-Verbandstag auszurichten. Mit diesem Kreisfeuerwehr-Verbandstag verabschiedet sich die Harksheider Wehr gleichzeitig aus dem Kreisfeuerwehr-Verband Stormarn. Der Verbandstag ist verbunden mit dem 75jährigen Jubiläum und einem noch viel größerem Ereignis, nämlich der Einweihung der neuen Feuerwache am Langenharmer Weg. Trotz aller Schwierigkeiten während der Bauzeit kann am 6. September 1969 der Schlüssel für das neue Gerätehaus übergeben werden. In diesem Gerätehaus ist nicht nur Platz für das Unterstellen von Fahrzeug und Gerät, sondern auch ein großer Versammlungsraum sowie ein Gruppenraum sind vorhanden. Dazu natürlich auch wieder vier Wohnungen für den Bereitschaftsdienst.


Die Stadtgründung

Mit der Stadtgründung 1970 wird die Harksheider Feuerwehr eine der vier in der Gemeindefeuerwehr Norderstedt zusammengefassten Ortswehren, die Selbständigkeit der Wehr bleibt aber erhalten.

Einiges ändert sich nun aber doch:

In das Harksheider Feuerwehrhaus ziehen Untermieter ein, der Gruppenraum wird zur provisorischen Funkzentrale der Norderstedter Wehren. Tagsüber tun hier vier Feuerwehrmänner aus allen Norderstedter Wehren als Angestellte der Stadt Norderstedt Dienst. Nach Feierabend, nachts und am Wochenende wird der Zentralendienst von den im Feuerwehrhaus wohnenden Harksheider Feuerwehrmännern zusätzlich übernommen.

In der Führung der Harksheider Wehr tritt ebenfalls ein Wechsel ein. Der Schlossermeister Günther Sager wird zum ersten Norderstedter Gemeindewehrführer gewählt und stellt deshalb sein Amt als Harksheider Wehrführer zur Verfügung. Ihm folgt sein bisheriger Stellvertreter, der Landwirt Julius Quast, als Wehrführer nach. Neuer stellvertretender Wehrführer wird der Jugendwart der Harksheider Wehr, der Werkzeugmachermeister Werner Kopitzke. In den folgenden Jahren tritt dann eine rasante Entwicklung der Harksheider Wehr von einer eher ländlich geprägten Feuerwehr zu einer modernen städtischen Feuerwehr ein. Diese Entwicklung wird wesentlich von dem im Januar 1976 zum Wehrführer gewählten Oberbrandmeister Werner Kopitzke vorangetrieben.


Die Technikausstattung der Wehr verändert sich enorm.

Alle Fahrzeuge werden mit Funkgeräten ausgestattet. Der bisherige Alarm über Sirene wird von der sog. stillen Alarmierung über Funkmeldeempfänger abgelöst.

Durch die Gemeindefeuerwehr werden im Jahr 1974 ein Rüstwagen und 1976 eine Drehleiter beschafft und im Harksheider Feuerwehrhaus stationiert.

Die Entwicklung mag auch eine Betrachtung der Einsatzzahlen deutlich machen:

Im Stadtgründungsjahr 1970 fährt die Harksheider Wehr 42 Einsätze, davon 36 Einsätze im Zusammenhang mit Feuer und 6 technische Hilfeleistungen. Bereits für das Jahr 1974 weist der Jahresbericht 123 Einsätze auf, davon 70 technische Hilfeleistungen.

Während die Zahl der Einsätze sich in diesen Jahren also verdreifacht hat, ist der Anteil der technischen Hilfeleistungen von 15% auf nahezu 60% des Einsatzaufkommens gestiegen.

Die Wehr stellt sich diesen Anforderungen nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch durch eine Intensivierung der Ausbildung und erreicht einen bis dahin nicht gekannten Leistungsstand. Bereits im Jahr 1972 wird dieser Leistungsstand durch das Ablegen der Prüfung zur sogenannten "Silbernen Leistungsbewertung" eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Aber auch das Vereinsleben der Harksheider Feuerwehr kommt in diesen Jahren nicht zu kurz. Das dreitägige Sommerfest im September eines jeden Jahres ist immer wieder ein Höhepunkt für viele Harksheider und Norderstedter Bürger.

Hier spielt am Freitagabend regelmäßig eine bayrische Trachtenkapelle, die "Blaskapelle Edelweiß" aus Schierling, für die reifere Jugend auf. Am Sonnabend ist dann der große Festball mit der im hiesigen Raum gut bekannten Kapelle "Souvenirs", während der Sonntag mit Brandmanöver, Kindertanz und Laternenumzug etwas für die jüngeren Mitbürger bietet.

Durch die privat bei Feuerwehrmännern untergebrachten Mitglieder der Trachtenkapelle entsteht eine freundschaftliche Beziehung zwischen den Feuerwehren aus Harksheide und Schierling, die bis heute überdauert hat.

Im Jahr 1974 findet wieder einmal ein Kreisfeuerwehrtag zusammen mit dem Sommerfest statt. Und wie soll es anders sein: Wie der Kreisfeuerwehrtag 10 Jahre zuvor versinkt auch diese Veranstaltung in Schlamm und Regen. Dabei hat sich die Harksheider Feuerwehr gerade mit dem Brandmanöver besondere Mühe gegeben und wollte als Höhepunkt eine Löschgruppe aus dem Hubschrauber absetzen!

Bei der "Schneekatastrophe" im Februar 1979 ist auch die Harksheider Feuerwehr tagelang im Einsatz. Da müssen in Amtshilfe für die Polizei die Zufahrtstrassen gesperrt werden, um das vom Katastrophenstab verhängte Fahrverbot durchzusetzen, da muss die Ulzburger Strasse Höhe Buchenweg in mühsamer Handarbeit für den Busverkehr freigehalten werden, da wird mit Feuerwehrfahrzeugen eine Spur für den Krankenwagen durch die Schneewehen gefahren. Ihren Höhepunkt finden die Einsätze bei einer nächtlichen Suchaktion nach einem vermissten Mädchen, bei der das Mädchen (welches umgekehrt war und bei einer Freundin übernachtete, ohne zu Hause Bescheid zu sagen) zwar nicht gefunden wird, die Einsatzleitung aber froh ist, dass überhaupt alle beteiligten Feuerwehrleute wieder zurückgefunden haben.


1980 - heute

Im Jahre 1980 hat dann das erste Nachkriegsfahrzeug der Harksheider Wehr, der alte Ford, endgültig ausgedient. Er wird verkauft und kommt schließlich nach einigen Irrwegen als Leihgabe in das Feuerwehrmuseum. Als Ersatz gibt es aber kein neues Fahrzeug, infolge einer Umstrukturierung in der Norderstedter Wehr gibt die Friedrichsgaber Feuerwehr ihr LF 8 aus dem Jahre 1969 an die Harksheider Wehr weiter und erhält selbst ein neues, schlagkräftigeres Fahrzeug.

Die Schlagkraft der Harksheider Wehr wird dafür im Februar 1981 noch einmal deutlich verbessert. Das alte Tanklöschfahrzeug wird ausgemustert (und von den neuen Besitzern, den Kameraden aus Wakendorf II, in wochenlanger Arbeit wieder aufgemöbelt und neu in Dienst gestellt). Die Harksheider Wehr erhält dafür ein neues Tanklöschfahrzeug, ausgestattet mit einem Wasserwerfer auf dem Dach und einem eingebauten Zusatztank für Schaummittel. Im März 1981 hat dann die Einquartierung durch die Gemeindefeuerwehr ein Ende, ein am Harksheider Feuerwehrhaus errichteter Anbau nimmt nun die Norderstedter Feuerwehrzentrale auf. Gleichzeitig werden weitere Bedienstete für die Feuermeldezentrale eingestellt, so dass nun ein Schichtdienst rund um die Uhr mit hauptamtlichen Kräften möglich ist. Die im Feuerwehrhaus wohnenden Harksheider Kameraden müssen nun nicht mehr umschichtig neben ihrem Beruf auch noch den Nacht- und Wochenenddienst sicherstellen.

1985 ist wieder einmal ein Fahrzeugwechsel fällig, das alte LF 16 wird an die Wehr Glasau/Sarau verkauft, die Harksheider Wehr erhält ein nagelneues gleichartiges Fahrzeug. Zur Übergabe des alten Fahrzeuges an die Wehr Glasau tritt die gesamte Harksheider Wehr noch einmal in Glasau an. Auch heute noch freuen sich die Harksheider Feuerwehrkameraden, wenn sie "ihr" altes Fahrzeug bei Veranstaltungen im Kreisgebiet wiedersehen.

Im Jahr 1986 geht dann mit dem 23. auch das letzte Sommerfest über die Festwiese am Falkenberg. Durch den Bau der Mehrzweckhalle verliert die Harksheider Feuerwehr ihre Festwiese und der Stadtteil Harksheide eine vielen Bürgern lieb gewordene Einrichtung. Die Feuerwehr drängt allerdings bei den Stadtvätern darauf, dass aus der ursprünglich geplanten reinen Turnhalle eben eine "Mehrzweckhalle" wird.

Nach einer schöpferischen Pause wird dann 1989 die Faschingsfete "Feuernacht" ins Leben gerufen und auf Anhieb eine der größten und beliebtesten Faschingsveranstaltungen im Norderstedter Raum und darüber hinaus.



…. wird fortgesetzt

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